Autor Thema: Kreative Etymologie  (Gelesen 3398 mal)

gehabt gehabt

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Kreative Etymologie
« am: 2004-12-28, 01:03:49 »
Manchmal ueberlege ich mir zum Zeitvertreib, wie ein Wort entstanden sein mag und vergleiche dann meine Versieon mit meinem Etymologieduden. Hier ein Wort, bei dem die Dudenversion zwar die richtige sein mag, meine aber die schoenere. Si non e vero e ben trovato.

Affenzahn:

Lange habe ich nachgedacht, woher dieses merkwuerdige Wort kommt bis mir die Erleuchtung kam. Im Span. wird avanzan ungefaehr so aehnlich ausgesprochen und es heisst "sie ruecken vor". Ich stellte mir vor, dass die deutschen Soeldner das von ihren spanischen Kamaraden aufgeschnappt haben, wenn sich eine feindliche Phalanx auf sie zu bewege und daraus Affenzahn machten und es als Synonym fuer eine schnelle Bewegung nahmen.

Pustekuchen*: die richtige Erklaerung ist viel prosaischer: wenn man beim Autofahren einen hoeheren Gang einlegt, so legt man "einen Zahn" im Getriebe zu. Affenzahn ist nur eine Steigerungsform, wie affengeil etc.

*Jetzt ueberlege ich mir, ob ich die Etymologie von Pustekuchen nachschlagen soll oder mir selbst ausdenken.

MrMagoo

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #1 am: 2004-12-28, 19:48:48 »
Denke sie Dir lieber selbst aus, ist bestimmt viel lustiger...
Übrigens: Auch wenn Deine "Affenzahn"-Erklärung nicht fundiert ist, ich muß sagen: Sie hat was! ;)
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

Kilian

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #2 am: 2004-12-29, 11:49:44 »
Etymogelei auf hohem Niveau! :)

amarillo

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #3 am: 2004-12-29, 14:05:21 »
Pumpernickel  =  pain pour Nicole

soll ein französischer Reitersoldat angesichts des schweren, schwarzen Brotes ausgerufen haben. Nicole, sagt man, war  der Name seiner Stute.

Ist leider nicht von mir. Aufgeschnappt im Freilich-Heimatmuseum in Cloppenburg, Sommer 2001.
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Kilian

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #4 am: 2004-12-29, 19:49:50 »
Ich bilde mir gerne ein, das Wort ambivalent (doppelwertig) hätte etwas mit dem lateinischen ambulare (spazieren gehen, stolz einherschreiten) zu tun. Ich stelle mir vor, wie etwas zwischen zwei Werten hin- und herschreitet, pendelt, auf und ab geht.

caru

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #5 am: 2004-12-30, 13:11:23 »
kürzlich frug man einen kandidaten in der millionenshow (österreichische entsprechung zu "wer wird millionär?") für 75000€:

welcher der folgenden ausdrücke ist eine alliteration?

a) rabe und aber
b) kind und kegel
c) rebe und eber
d) voll und ganz


der kandidat, des lateins gänzlich unkundig, entnahm dem wort alliteration zu recht "litera=buchstabe", assozior die vorsilbe "al-"(!) mit "al-ternieren" und entschloß sich für c) - weil in "rebe" und "eber" die e-vokale mit konsonanten abwechseln.

unglaublich, wie man einer vorsilbe, die es noch dazu in dieser form gar nicht gibt, so viel bedeutung beimessen kann. aber das deutsche verderbt die verstandesfähigkeiten in dieser hinsicht beträchtlich: man denke nur an den beträchtlichen unterschied zwischen vorsicht, nachsicht, rücksicht, absicht, aufsicht, umsicht, hinsicht, einsicht, aussicht...
(\___/)
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('.')__('.')

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gehabt gehabt

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #6 am: 2004-12-30, 13:49:52 »
Pumpernickel  =  pain pour Nicole

soll ein französischer Reitersoldat angesichts des schweren, schwarzen Brotes ausgerufen haben. Nicole, sagt man, war  der Name seiner Stute.

Ist leider nicht von mir. Aufgeschnappt im Freilich-Heimatmuseum in Cloppenburg, Sommer 2001.

Das folgende hab ich im Internet endeckt und scheint
plausibel:

 "Pustekuchen" geht vielmehr auf zwei jiddische Worte zurück: poschut (dt. wenig) und chochem (dt. klug, wissend). Quittiert man eine Äußerung mit dem Ausruf "Pustekuchen!", so qualifiziert man sie als "wenig klug", unklug oder dumm.


 "pumpern" bedeutet "einen Wind streichen lassen", und Nickel ist die Koseform von Nikolaus. Das Brot heißt also übersetzt so viel wie "Furzheini".

amarillo

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #7 am: 2004-12-30, 14:03:25 »
Da hast Du wohl völlig recht, das Brot bring die Darmwinde ordentlich auf Trab...
Im Museum hing noch die Erklärung, daß "Nickel" eine Bezeichnung für jedweden (ungehobelten) Burschen war. Das mit dem "Heini" trifft wohl ins schwarze.

Aber die Sache mit Nicole klingt so schön polyglott.
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gehabt gehabt

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #8 am: 2004-12-30, 15:29:19 »
Auch der Name von Kopernikus leitet sich von so einem Nickel her. Kopernikus hiess eigentlich Koppernickel und ich habe gelesen, dass ein Koppernickel ein Berggeist ist, der in Kupferbergwerken sein Unwesen trieb.

MrMagoo

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Re:Kreative Etymologie
« Antwort #9 am: 2004-12-30, 15:35:11 »
Auch der Name von Kopernikus leitet sich von so einem Nickel her. Kopernikus hiess eigentlich Koppernickel und ich habe gelesen, dass ein Koppernickel ein Berggeist ist, der in Kupferbergwerken sein Unwesen trieb.

Erinnert mich grad ein bißchen an Mr. Kopperpot aus dem Film "Die Goonies"! ;)
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