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Kennjokus der vor allem in Österreich verbreiteten Iterativ-, Frequentativ- oder Multiplikativverben

Einschließlich einiger anderer Verben, die dieser Gruppe ähnlich sind. Vom Berthold

Beispiele: knarren > knarretzen (= wiederhulen knarren); knacken > knacksen (= wohl eher intensiv als wiederhulen knacken)

Präteritum, Konjunktiv 2 und P.P. mit Rat-Aff-Lach(!) (= Reduplikation). Für die Betonung schlüge ich vor: auf der Silbe nach der ratafflachenden Anfangssilbe. Der Vokal dieser Silbe richtet sich nach dem Folgevokal, dem ‚Hauptvokal’ des Verbs.

Es findet sich, trotz dieses Hinweises auf die Wiederhe[h]l, in Vergangenheit und Möglichkeit vor allem Konsonantenabschwach (weil dann solche Verben weniger intensiv geworden sind/wären). Das P.P. erfährt eine weitere Abschwach (z >ds > s). Bei einigen Verben mischen sich, bei stets vorhandenen Rätäfflächen, Elemente einer onomatopoetischen Coniugatio mit der Coniugatio duplex.

Quellen (außer meiner eigenen Kenntnis) sind: M: Mackensens Wörterbuch; S: Peregrinus Syntax: Deutsches Reimlexikon; T: Teuschl, W: Wiener Dialektlexikon; V: Variantenwörterbuch der deutschen Sprache.

strawanzen (V; ital. stravagante: verschroben, überspannt [?]) (untätig herum-, umherziehen, herumstreunen, sich herumtreiben; Substt: der Strawanzer, die Strawanzerin):

sträwänz(es)t, sträwänzt, sträwänz! [Die – positiven - Imperative 2., Sg. haben bei diesen Verben oftmals reichlich theoretischen Zuschnitt. Für Verbote dagegen sind sie meist sehr geeignet: Sträwänz nicht! Pinz nicht! Gämirz nicht, ohne die Hand vorzuhalten! Gribirz nicht so laut!), susdruwunds, süsdrüwündse, sasdrawansen

maunzen (S; wiederholt und wahrscheinlich auch intensiv miauen): mäunz(es)t, mäunzt, mäunz!, momonds, mömöndse, momonsen

benzen (oder, wie hier: penzen; sicherlich in Maria Hornungs Wiener Mundartwörterbuch, wahrsch. auch in V – durch ständiges, lästiges Bitten etwas erreichen wollen; quengeln): pinz(es)t, pinzt, pinz!, bobonds, böböndse, bobonsen

raunzen (V; nörgeln, seiner Unzufriedenheit durch ständige, kritisierende Außare Ausdruck verleihen – oft sogar weinerlich; egoistisches Weinen, um Mitmenschen zu etwas zu bewegen): räunz(es)t, räunzt, räunz!, roronds, röröndse, roronsen

knarretzen (andauernd knarrendes Gerräusch von sich geben): knärritz(es)t, knärritzt, knärritz!, gugnurads, gügnürädse, gagnaresen

himmletzen (M; wetterleuchten – natürlich wiederhulen): himmlitz(es)t, himmlitzt, himmlitz!, hahamlads, hähämlädse, huhumlasen

krächzen (M.; Iterativ von krachen; heiser schreien, mit lauter Stimme sprechen): krehchz(es)t, krehchzt, krehchz! (Ohne Dehnung wäre das ‚e’ nur eine orthographische Variante.), gagrachds, gägrächdse, gogroĥsen (Das ist kein Dehnungs-h; es kekünne entweder – was ich empföhle – stimmlos stark gehaucht/gehochen werden [Ich glaube, daß es im Arabischen solch ein ‚h’ gibt] oder, meinethalben, sogar stimmhaft sein – wie das tschechische ‚h’ im Silbeninneren; tsch. ‚h’ nur zwischen zwei Vokalen stimmhaft, sonst lediglich stark gehochen? Stimmlose Aussprache wäre viellecht, wegen des h’s im folgenden Verb, besser.)

knacksen (M; siehe oben): knäck(se)st, knäckst, knäcks!, gugnugs, gügnügse, gagnaĥsen (Dieses ‚h’ ist auf jeden Fall stimmhaft zu spechen – wie auch das darauffolgende s.)

hopsen (springen, möglw. wiederhulen kleine Sprünge machen): höps(es)t, höpst, höps! huhubs, hühübse, huhuvsen (v: stimmhaft)

gagerzen (T; [wiederholt] gackern; laut Teuschl auch ‚stottern’ – mhd. ‚gagzen’): gägirz(es)t, gägirzt, gägirz!, gugugards, gügügärdse, gugugorsen // möglich wären auch: gigigards, gigigärdse, gagagorsen

gamerzen (T; gähnen): gämirz(es)t, gämirzt, gämirz!, gugumards, gügümärdse, gagamorsen

greberzen (T; aufstoßen, rülpsen (jidd.]): gribirz(es)t, gribirzt, gribirz!, gogrobards [molg auch gogrobords], gögröbärdse [molg auch gögröbördse], gogroborsen

schmatzen (M; verw.: schmecken): schmätz(es)t, schmätzt, schmätz!, schischmids, schischmiedse [i-Verlangir im Konj. 2 zur besseren Unterschoüd], schaschmasen

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