Autor Thema: Zukunftsprojekt  (Gelesen 10435 mal)

Kilian

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Re:Zukunftsprojekt
« Antwort #30 am: 2005-03-05, 23:57:30 »
Okay, dann war ich auf der falschen Spur.

1. Wenn ich ihm morgen hälfe (oder: helfame),

So, und diese Wahl zwischen hälfe und helfame, zwischen Konjunktiv Präteritum und Konjunktiv Futur, kannst du da ein Beispiel angeben, in dem man diese Wahl auch im normalen Deutsch hat?

Ich weiß nämlich immer noch nicht, was ich mir unter einem Konjunktiv Futur vorzustellen habe. Den gibt es doch gar nicht, oder?

MrMagoo

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Re:Zukunftsprojekt
« Antwort #31 am: 2005-03-06, 00:32:46 »
Okay, dann war ich auf der falschen Spur.

1. Wenn ich ihm morgen hälfe (oder: helfame),

So, und diese Wahl zwischen hälfe und helfame, zwischen Konjunktiv Präteritum und Konjunktiv Futur, kannst du da ein Beispiel angeben, in dem man diese Wahl auch im normalen Deutsch hat?

Ich weiß nämlich immer noch nicht, was ich mir unter einem Konjunktiv Futur vorzustellen habe. Den gibt es doch gar nicht, oder?

Ich muß mich schon wieder verbessern - ich meinte natürlich hälfe - ich hatte das -me Suffix ans starke Verb hängen wollen - quasi wie 'lebmete' => helfmete (ohne Futur -a) ...
Ich habe eben die Formen auch noch nicht intus *lol* - Verzeihung...

Ok, in "Normal"deutsch ;)

Präsens: Indikativ, Konjunktiv
Er schreibt einen Brief, Er schreibe einen Brief
Präteritum: Indikativ, Konjunktiv
Er schrieb einen Brief, Er schriebe einen Brief
Perfekt: Indikativ, Konjunktiv
Er hat einen Brief geschrieben, Er [/b]habe[/b] einen Brief geschrieben
Plusquamperfekt: Indikativ, Konjunktiv
Er hatte einen Brief geschrieben, Er hätte einen Brief geschrieben

Futur: Indikativ, Konjunktiv, Konditional
Er wird einen Brief schreiben, Er werde einen Brief schreiben, Er würde einen Brief schreiben
Futur II: Indikativ, Konjunktiv, Konditional
Er wird einen Brief geschrieben haben, Er werde einen Brief geschrieben haben, Er würde einen Brief geschrieben haben.

Formal gesehen gibt es einen Konjunktiv Futur, er beschreibt an sich vermutete oder erwartete Geschehnisse in der Zukunft - das Konditional beschreibt irreale Geschehnisse, deren Eintreten aber an Bedingungen gebunden sind.

Vgl: Er meinte, er werde einen Brief schreiben (Erwartung oder Vermutung)
Er würde einen Brief schreiben, wenn... (Unter bestimmten Bedingungen wird er den Brief schreiben).

Die Umschreibung des Konjunktiv Präteritum (= Konjunktiv 2) mit dem Konditional ist dann deshalb falsch, weil es an keine Bedingung geknüpft ist:
Ich wollte, er schriebe einen Brief (nicht: er würde einen Brief schreiben)
Wenn er einen Stift hätte, schriebe er einen Brief (oder: 'würde schreiben').

Je mehr ich allerdings drüber nachdenke, desto verwirrender wird's ... *g*

Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, daß unser Futur an sich bereits analytisch ist - und zudem aus dem Latein übernommen. Die romanischen Sprachen, z.B. Französisch, haben kein wirklich großes Problem, zwischen Subjunctive und Conditionel zu unterscheiden...
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

Kilian

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Re:Zukunftsprojekt
« Antwort #32 am: 2005-03-06, 18:57:01 »
Ich glaube, jetzt hab ich's verstanden. Vielen Dank. :)
« Letzte Änderung: 2005-03-06, 18:57:33 von Kilian »

caru

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Re:Zukunftsprojekt
« Antwort #33 am: 2005-03-06, 20:47:13 »
leute, leute... ihr iert die sprache ganz schön kompliz, muß ich sagen  ;D
(\___/)
(>´x´<)
('.')__('.')

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gehabt gehabt

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Re:Zukunftsprojekt
« Antwort #34 am: 2005-03-07, 11:23:34 »
Wenn ich ein Voeglein waer und auch zwei Flueglein haett, wuerde ich zu dir fliegen ??????


Dass man ueberhaupt auf die Idee kommt, hier muesse man wuerde gebrauchen, kommt vermutlich daher, dass es in fremden Sprachen (Engl., Spanisch) tatsaechlich unterschiedliche Formen in beiden Satzteilen gibt.

Si  viniese Pepe, Juan cantar'ia.
(Wenn Pepe kaeme, saenge Juan.)

Si cantase Juan, vendr'ia Pepe.
(Wenn Juan saenge, kaeme Pepe.)

cantase, viniense = Konj Praet.
cantaria, vendr'a = Konditional

aehnlich im Engl.




MrMagoo

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Re:Zukunftsprojekt
« Antwort #35 am: 2005-03-07, 11:42:04 »
Genau - und da das Konditional aus den romanischen Sprachen, wo es synthetisch ist, stammt und in den germanischen Sprachen als 'Neuerwerb' mit Hilfe von 'würde+Infinitiv' umschrieben werden muß (analytisch), gibt es hier deshalb Verwirrung, weil z.B. das Deutsche an sich eigentlich nur den Konjunktiv zur Verfügung hat. Deutsch ist (wenn man jetzt vom Standarddeutschen absieht) grammatisch gesehen resistenter den lateinischen Einflüssen gegenüber als das Englische.
Daher ist das Konditional im Englischen üblicher, zumal der Konjunktiv fast vollständig geschwunden ist - dieser wird deshalb auch durch das Konditional ersetzt.
Zudem ist dadurch wiederum eine synthetische durch eine analytische Bildung ersetzt worden, was sowieso sehr häufig passiert.
Wâ mag ich mich nu vinden? wâ mac ich mich nu suochen, wâ? nu bin ich hie und bin ouch dâ und enbin doch weder dâ noch hie. wer wart ouch sus verirret ie? wer wart ie sus zerteilet mê?
(Gottfried von Straßburg)

Kilian

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Re:Zukunftsprojekt
« Antwort #36 am: 2008-06-16, 15:21:00 »
Weiterhin überlege ich noch, wie ein synthetisches Passiv gebildet werden könnte.
Ich schätze, das werde ich auch mit einem Präfix lösen, mal sehen. ;)

Berthold hat jetzt mit der bewohrenen Einwuchsmethode ein synthetisches Passiv gebolden, und das lässt sich natürlich mit dem synthetischen Futur kombinieren. Erste Beispiele finden sich im Ankund auf Aufsätze (Verben).

Berthold

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Re: Zukunftsprojekt
« Antwort #37 am: 2008-06-16, 17:09:53 »
Da muß ich mich jetzt, obwohl der hier schon soo lange nicht mehr schrieb (leider, leider!), bei Mr. Magoo entschuldigen, weil ich seine Aufsätze zum Thema 'Zukunftsprojekt' größtenteils noch gar nicht kannte, bzw. mich daran nicht mehr erarnn.
Die Einwüchse wer-, wir- ... sorgen jedenfalls manchmal für gute, zumindest aber für g'spaßige Klänge, bisweilen (etwa 'schlüwürge') sogar für dazupassende Phantasien.
Beim Lesen versteht man derlei noch ziemlich gut, aber schnell gesproŋch entsteht bei passiven Verben dieser Art wohl fast eine Art von 'Kundenschall' (vgl. Puchner, 1974, Heimeran, München), von Jenisch.

Ich erinnere an etwas anderes, das trotzdem herpaßt (-> Wehle, Peter (1977) Die Wiener Gaunersprache. Eine stark aufgelockerte Dissertation. Wien, München, Jugend & Volk). Noch heutzutage verstehen einige WienerInnen eine 'Geheimsprache', bei der (ich halte mich hier z.T. an die hochdeutsche Variante) 'ein Viertel heuriger Wein vom Nußberg' 'an Ortelvә origerhә Onwә omvә Oßbergnә' heißt. 
 
« Letzte Änderung: 2008-06-16, 17:14:51 von Berthold »

Agricola

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Re:Zukunftsprojekt
« Antwort #38 am: 2008-06-16, 18:39:01 »
Weiterhin überlege ich noch, wie ein synthetisches Passiv gebildet werden könnte.
Ich schätze, das werde ich auch mit einem Präfix lösen, mal sehen. ;)

Berthold hat jetzt mit der bewohrenen Einwuchsmethode ein synthetisches Passiv gebolden, und das lässt sich natürlich mit dem synthetischen Futur kombinieren. Erste Beispiele finden sich im Ankund auf Aufsätze (Verben).
Ich budrowurcke ein!
« Letzte Änderung: 2008-06-16, 18:40:43 von Agricola »
The future lies in front of me,
but "lies" is all that I can see.