Autor Thema: Ganz nebenbei: neue Storke  (Gelesen 84699 mal)

Kilian

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #270 am: 2007-12-06, 17:09:28 »
(Übrigens: Ist es jemandem aufgefallen, dass sitzenbleiben, mähdreschen usw. ganz genau nach meinem Schema der vollständig konjugorenen Pseudikeln gebogen werden? Das, was vor fast zwei Jahren keiner haben wollte und wofür ich und Bertl mächtig Haue bekommen haben, hat sich durch's Hintertürchen doch eingeschlichen...)
(@Kilian: bausparen fehlt in der Liste.)

Danke! Ist ergonzen. Da dir das Fehlen auffiel, dürfte dir ja die Nachricht vom 2007-07-06 bekonnen sein, mit der - keineswegs durch die Hintertür - eine ganz bestimmte Gruppe von Verben in die Liste Einzug hielt. Bereits davor enthielt die Liste aber eine erkleckliche Anzahl von Verben mit P und Z, deren Pseudikel eine komplette Ablautreihe mitmacht. Wie also kommst du darauf, die vollständig konjugorenen Pseudikeln habe keiner haben wollen?
« Letzte Änderung: 2007-12-07, 11:41:44 von Kilian »

Fleischers Karsten

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #271 am: 2007-12-07, 09:51:59 »
Ja, so ca. 10 Stück. Aber bei denen wird das Pseudikel nur sekundär mitkonjugoren (Tempus/Modus). Bei der primären Konjugation (Person/Numerus) bleibt es konstant. Bei sitzenbleiben etc. werden ja wohl beide Teile vollständig konjugoren:

Ich blieb saß.
Du bliebst saßest.
Er blieb saß.
Wir blieben saßen.
Ihr bliebt saßt.
Sie blieben saßen.

Im Gegensatz dazu verdreifachen:

Ich verfuch drie.
Du verfuchest drie.
Er verfuch drie.
usw.

Das Pseudikel drei ist zwar abgelauten, bleibt aber in der primären Konjugation fest.

Kleiner, aber feiner Unterschied.

Das war damals meine Idee, allerdings bin ich nicht auf bausparen etc. gekommen, sonst wär's wahrscheiln viel früher Akzept georen worden. Aber ich find's naturl toll, dass Helmut KH Weber jene Verben entdeckt und die Methode der vollständigen Pseudikelkonjugation damit noch mal erfunden hat und ihr ein solides Fundament bieten konnte. Konnte ich damals nicht.

Übrigens: Müssten bausparen und Konsorten nicht auch in der "Tmetisches"-Liste auftauchen?
Karsten

Berthold

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #272 am: 2007-12-10, 14:09:22 »
Ein neuer Kennjokus (Stichworte: 'brutzeln', 'gipfeln'):

Lieber Kilian! Meine Lieben!

Ohne mich vorerst allzu sehr um analoge Verben mit i kümmern zu wollen, weise ich auf Verben mit kurzem u hin, dem die Affrikate –pf oder –ts (-tz guschrimp) folgt.
In unserer Liste finden wir Lösel, die eher zu einem Computerprogramm passen als zu den Ideen eines Menschen, nämlich:

nutzen (auch bei putzen) – notz – nötze – genotzen
beschmutzen - -schmatz - -schmätze - -schmotzen
brutzeln – broltz – bröltze – gebroltzen
abkupfern – kurpf ab – kürpfe ab – abgekurpfen
tupfen (auch bei zupfen) – topf – töpfe – getopfen

Andere Verben der Gruppe fehlen.
Hier kekünne aber sie ansetzen, die
Coniugatio cum intentione bisonante (‚diphthengente’) vocalis brevis ‚u’ ante affricatas –pf vel –tz
-
Kennjokus mit zwielautender Verstark des kurzen fauchels ‚u’ vor den ‚angurimpen Mitlauten’ –pf oder –tz:
Zu einer Verstark kommt es, weil das vor den Affrikaten vokalisch besonders schwache u im Vergangenen und Möglichen sozusagen vom Schwund bedroh’n wäre. Ein Zwielaut ist auch vokalisches Analogon zur konsonantischen Affrikate. Im Partizip II wüchse der deutschen Sprache ein weiterer Zwielaut zu, der etwa im Tschechischen vorkommt.
Dipthongierende Konjugationen führen zu einem Bruch der tiefsitzenden Regel: Im Präteritum, Konjunktiv 2 und Partizip 2 eines deutschen Verbs gibt es keine Diphthonge.

Sehr einfach sind die Formen:
nutzen (auch bei putzen, beschmutzen (Siehe unten!), stutzen, trutzen) - nutzenautz (oder nauz) – näutze (näuze) – genoutzen (genouzen) / A-tjou-lachts-Form (idiolektische Kontraktion): gienountz 
brutzelnbrutz(e)le - braultz (braulz) – bräultze (bräulze) – gebroulzen / giebroulntz
lupfen (auch bei rupfen, schupfen, schnupfen, tupfen, zupfen) – lupfe - laupfläupfegeloupfen / gieloumpf
abkupfernkupfere abkaurpf abkäurpfe ababgekourpfen / abgiekourmpf

Analoga zu ‚sitzen – saß –gesessen’ kekünnen vor allem bei ‚beschmutzen’ – aber nicht bei ‚rupfen’ (wegen ‚raufen’) und ‚schnupfen’ (wegen ‚schnaufen’) auftreten:
beschmutzenbeschmaußbeschmäußebeschmoussen / bieschmounß -> bieschmounz (wie oben gebnold)

Ich laß halt Verben auf ‚–itzen’ so, wie sie in unseren Listen stehen. ‚Witzeln’ geht homonymolytisch-kakokonsonantisch (‚w. – wlatz – wlätze – gewlutzen’) – und das laß ich erst recht so, wie es ist. 
Bei ‚schnipfen’, ‚gipfeln’ und ‚zipfeln’ kekünne es aber sehr wohl zu Mischungen mit Formen analog der Reihe ‚sitzen – saß - gesessen’ kommen. Die Orthographie des Konjunktivs 2 memüsse hier seine korrekte Aussprache festsetzen. Dafür pieße ‚äi’. Nicht einmal diesen Zwielaut gibt es im Hochdeutschen.

Die Beispiele:

schnipfenschnipfeschnaif(f)schnäif(f)egeschneuf(f)en / bzw., vielleicht orthographisch klarer: geschnoif(f)en // gueschneumpf/gueschnoimpf
gipfeln (auch bei zipfeln) – gipf(e)le (Der Berg spricht: ‚Ich gipfele in der Dreischusterspitze.’) – gailf(f)gäilf(f)egegeulf(f)en/gegoilf(f)en // guegeulmpf/guegoilmpf 
« Letzte Änderung: 2007-12-10, 15:08:50 von Berthold »

Berthold

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #273 am: 2007-12-10, 15:05:01 »
Wie also kommst du darauf, die vollständig konjugorenen Pseudikeln habe keiner haben wollen?
Vielleicht, weil die deklinor'nen (-> Forums-Aufsätze über 'mausern' meines Vorgängers Bertl) auch keiner haben wewull? Weil diese womochlg dem Reich des Irrsinns zugeznohl worden waren?
« Letzte Änderung: 2007-12-10, 15:17:58 von Berthold »

Fleischers Karsten

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #274 am: 2007-12-12, 09:28:12 »
Fehlleiten kann man auch gut mit Conjugatio Duplex behandeln:

fehlleiten - lieht fahl - liehte fähle - fohlengeliehten

Ebenso kekünne man liebäugeln noch etwas verfeinern. Bisher:

liebäugeln - ulg lieb - ülge lieb - liebge·ulgen

Mit Conjugatio Duplex:

liebäugeln - ulg lab - ülge lüb - lubenge·ulgen
« Letzte Änderung: 2007-12-12, 09:34:43 von Fleischers Karsten »
Karsten

Agricola

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #275 am: 2007-12-12, 11:43:13 »
Sollte der Kennjolus von "fehlleiten" nicht etwas mehr in die Irre führen?

fehlleiten, ich lehte fiel, liehl faht, ich hülle töffe, tollengelohfen

oder wie auch immer.
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amarillo

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #276 am: 2007-12-12, 11:52:09 »
wertschätzen

schitzt wirt - schotz wart - schötze wärt - wurtgeschutzen
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Fleischers Karsten

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #277 am: 2007-12-12, 12:09:11 »
Sollte der Kennjolus von "fehlleiten" nicht etwas mehr in die Irre führen?

fehlleiten, ich lehte fiel, liehl faht, ich hülle töffe, tollengelohfen

oder wie auch immer.

Ich präferöre leiten wie leiden zu konjugieren, um die Leute fehlzuleiten. Das PP II fohlengelitten find ich schön.
Karsten

Agricola

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #278 am: 2007-12-12, 12:23:10 »
Ich weiß gar nicht mehr, wo wir denn jetzt hinwollen mit unserer Konjugation von fehlleiten.
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Fleischers Karsten

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #279 am: 2007-12-12, 12:32:34 »
fehlleiten - lieht fahl - liehte fähle - fohlengeliehten war nach der großen Liste gestorken.
fehlleiten - litt fahl - litte fähle - fohlengelitten wäre mir lieber.

Deine Variante ist mir persoln zu gewagen, wir litten die Leute doch etwas zu sehr fählen.
Karsten

Fleischers Karsten

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #280 am: 2007-12-12, 14:09:12 »
Noch'n paar:

wetterleuchten
leuchtet wettert - liucht wortt - liüchte wörtte - liuchtengewortten

willfahren
fährt will - fuhr wollte  - führe wollte - wolltgefahren

teilnehmen
nimmt teilt - nahm tiel - nähme tiele - tielengenommen

leidtun
tut leidet - tat litt - täte litte - littengetan

teilhaben
hat teilt - hatte tiel - hätte tiele - tielengehabt

wundernehmen
nimmt wundert - nahm wornd - nähme wörnde - worndengenommen

rückenschwimmen
schwimmt rückt - schwamm rock - schwömme röcke - rockengeschwommen

staubsaugen
saugt staubt - sog stob - söge stöbe - stobengesogen

danksagen
sagt dankt - sug donk - süge dönke - donkengesugen

gewährleisten
leistet gewährt - list gewohr - liste gewöhre - gewohrengelisten

haushalten
hält haust - hielt hus - hielte hüse - hausengehalten

achtgeben
gibt icht - gab iecht - gab iechte - achtengegeben

haltmachen
macht hält - miech hielt - mieche hielte - haltengemachen

feilbieten
bietet feilt - bot fill - böte fille - fielengeboten

liebhaben
hat liebt - hatte lab - hätte lübe - lubengehabt

irregehen
geht irrt - ging orr - ginge örre - orrengegangen

irreleiten
leitet irrt - litt orr - litte örre - orrengelitten

preisgeben
gibt preist - gab pries - gäbe priese - priesengegeben

wahrsagen
sagt wahrt - sug wuhr - süge wühre - wohrengesagen

weismachen
macht weist - miech wies - mieche wiese - wiesengemachen

wetteifern
irft witt - orf wott - örfe wötte - wottengeirfen

wettmachen
macht witt - miech wott - miechw wötte - wottengemachen


Bei zuteilwerden kann man sogar zweimal abspalten und im PP II schön würfeln (bleibt allerdings die Frage, wo die drei Teile im Satz positionoren werden):
wird teilt zu - ward tiel zu - würde tiele zu - tielenzugeworden
« Letzte Änderung: 2007-12-12, 14:11:00 von Fleischers Karsten »
Karsten

Berthold

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #281 am: 2007-12-12, 14:37:34 »
(...)
rückenschwimmen
schwimmt rückt - schwamm rock - schwömme röcke - rockengeschwommen

staubsaugen
saugt staubt - sog stob - söge stöbe - stobengesogen
(...)

Was, und 'einem staubgesaugten Boden vom Bertl sieht man diesen Prozeß gar nicht an' hieße dann womochlg 'Einem stobenengesogenen Boden ...' -??

Ihr, lieber Karsten, könnt da schreiben, was Ihr wollt, seid rochten zu manchem beo gangen (auf daß ein wagn Frankfurter Zoo hineinkomme).
Ich aber werde in solchen Fällen immer Formen von - zumindest - 'roŋckgeschwommen' oder 'stompgesogen' verwenden, das versprech ich Euch! (Lieber noch schreib ich 'roŋckgeschwomm' oder 'stompgesonk'.)
Es lebe der A-Tjou-Lachts!

N.B.: Außerdem weißt - oder ahnst - Du ja von mir, daß ich bei solchen 'Pseudikeln' persönlich Mittel der Diekleinuß vörzlein beüge; etwa in meiner Wohnung wohl meist nicht schtöüpe, schtoup, stäube oder staub, sondern bloß staub(e)s, stäublein(s) oder gar nur steiblein(s) söge (ein Sträubsaugen, sozusagen); oder an etwas teilchen oder gar nur teilchens nähme, wenn ich nicht so ganz bei der Sache wäre. Denn thoyl zu nehmen hieße da fast schon ganz zu nehmen.
 
« Letzte Änderung: 2007-12-12, 15:57:24 von Berthold »

Fleischers Karsten

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #282 am: 2007-12-12, 14:49:30 »
Na ja, stobengesogen kekünne auch stobgesogen heißen. Der Helmut KH Weber war ja auch nicht so konsequent als er diese Störke einfiohr. Heißt es doch da bauengesparen neben mumbgedroschen. Letzteres memüsse ja eigelnt dann mambengedroschen lauten.

'stobenengesogenen' hat aber was, finde ich.

Das mit dem -mp/-ŋck hab' ich noch nicht drauf, aber du kannst naturl auch schreiben, wie du's magst.
Karsten

amarillo

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #283 am: 2007-12-12, 14:55:00 »
laubsägen

sägt laub - sug liob - süge liöbe - liobengesogen
Das Leben strebt mit Urgewalt nach Entstehung und Musik.

Fleischers Karsten

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Re: Ganz nebenbei: neue Storke
« Antwort #284 am: 2007-12-12, 15:00:39 »
weichkochen
kocht weicht - kuch wich - küche wiche - wichengekochen
Karsten