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Bis heute hat sich die aus dem Mittelhochdeutschen stammende Dativendung -e für einige stark gebeugte männliche und sächliche Substantive erhalten. Das Dativ-E wird vor allem in feststehenden Redewendungen gebraucht, die anheimelnd-altertümlich klingen. Für Freunde der gehobenen Sprache sind sie geradezu ein Muss. Die Beispielsätze verdeutlichen den mustergültigen Gebrauch des Dativ-E und machen die Liste auch literarisch zu einem Genuss.


mit Adjektiv/Adverb

fehl am Platze Ebenfalls fehl am Platze ist die Behauptung des Reichsgerichts, der Rundfunk sei kein Verkehrsmittel, und deshalb müsse ihm (zumindesten vorläufig) der naheliegende Vergleich mit dem Fernsprecher versagt werden.
Karl-Heinz Hille, Das Recht der Allgemeinheit und des Einzelnen im Rundfunk
dem Tode nah / geweiht Die Völker steh'n erstarrt, wie denn der Mensch stets höher achtet, was dem Tode nah'.
W.A.Swoboda, L.A. Seneca's Tragödien, Bd. 3

mit Präposition an/am

am Rande am Rande bemerkt
am Tage Du bist ein Schatten am Tage,
Und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage,
Und stirbst im Herzen nicht.
Aus Friedrich Rückerts Kindertodtenliedern.

mit Präposition auf

auf großem Fuße leben Sonst findet man zuweilen auch in Speisesälen gar keinen Leuchter auf dem Tische, auch keinen Kronleuchter, sondern nur bloß Hange- oder Wandleuchter, welche Mode aber doch nicht allgemein ist, sondern sich nur unter solchen Herrschaften herumtreibet, welche gern auf großem Fuße leben und licht dabey ersparen wollen.
D. Johann Georg Krünitz: Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft […], fortgesetzt von Friedrich Jakob Floerken, Sieben und siebzigster Theil, von Leipe bis Licht, Berlin 1799, Art. „Leuchter“, S. 321.
auf dem Lande
auf dem/gutem Wege

mit Präposition aus

aus dem Grunde
aus dem Lande

mit Präposition außer

außer Stande (außerstande)

mit Präposition bei/beim

beim Barte des Propheten Er schwur beim Barte des Propheten dem ganzen Serail den Untergang, wenn bei Sonnenaufgang die Prinzessin nicht wieder in der väterlichen Gewalt wäre.
J.K.A. Musäus, Melechsala
bei Leibe / beileibe wer viel frisst, muss beileibe nicht gut bei Leibe sein
bei Lichte bei Lichte betrachtet
bei Tage Du ahntest nicht, daß Deine Werthermiene, der Drang überschwänglicher Gefühle, bei Tage besehen, der spottlustigen Prinzessin widerwärtig werden mußte!
Rezension zu „König Rübezahl und seine Gnomen, Gedicht von Heinr. Schwarzschild“ in: Die Grenzboten 1842, S. 310
beim Worte Gut, ich nehme Ihn beim Worte.
Karl May, Die Reitprobe (in: Unter den Werbern)

mit Präposition in/im

im Banne
im Bilde … um im Bilde zu bleiben …
im Bunde Ich sei, gewährt mir die Bitte, / In eurem Bunde der Dritte!
Friedrich Schiller: „Die Bürgschaft“
im Falle
im Gange Bei 49 Bahnen waren […] gerichtliche Schritte im Gange; bei 26 anderen Arrangements in Schwebe.
Louis Schmidt: Handbuch des Eisenbahnwesens in ökonomischer, rechtlicher, administrativer und technischer Beziehung, dritter Band, Stuttgart: Julius Maier, 1875, S. 280
im Geiste
im Grabe umdrehen
in hohem/geringem Grade
im Grunde
im Halse steckenbleiben
im Jahre
im Lande
im Laufe des/der im Laufe des Jahres
in hohem/geringem Maße
im Sande verlaufen
im Sange Rein im Sange, treu im Wort
https://www.youtube.com/watch?v=bqXk684muyw
im Schilde führen
im Sinne im engeren Sinne, im weiteren Sinne, im Sinne der Erfindung
im Stande (imstande) sein
im Werte Waren im Werte von 2000 Euro
im Zuge

mit Präposition mit

mit dem Bade ausschütten Es ist so; aber bei allen Revolutionen will man im Anfange das Kind mit dem Bade ausschütten.
Johann Heinrich Pestalozzi, Lienhard und Gertrud
mit einem Schlage

mit Präposition nach

nach dem Rechte Die Verfassungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht ist ausgeschlossen, soweit eine Beschwerde wegen Verletzung des Rechtes auf Selbstverwaltung nach dem Rechte des Landes beim Landesverfassungsgericht erhoben werden kann.
Bundesverfassungsgerichtsgesetz, §91 Satz 2.

mit Postposition nach

dem Grunde nach
dem Sinne nach
dem Werte nach

mit Präposition über/überm

über Tage

mit Präposition unter/unterm

unter Tage

mit Präposition von/vom

vom Eise befreit Vom Eise befreit sind Chrom und Bleche / durch Waschmittel und des Frühlings wärmenden Blick, / im Tale dröhnt Motorenglück. / Die Winterreifen, in ihrer Schwäche, / rollt’ man in dunkle Garagen zurück.
Osterspaziergang 2012
vom Lande kommen
vom Schlage "Geistesriesen" vom Schlage eines Erdogan
http://www.taz.de/!5212949/
vom Winde verweht

mit Präposition zu/zum

zu Berge stehen Und da der Geist an mir vorüberging, standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe.
Lutherbibel, Hiob 4,15
zu Bette liegen Wenn sich Männer miteinander hadern, und einer schlägt den andern mit einem Stein oder mit einer Faust, daß er nicht stirbt, sondern zu Bette liegt: kommt er auf, daß er ausgehet an seinem Stabe so soll, der ihn schlug, unschuldig sein, ohne daß er ihm bezahle, was er versäumet hat, und das Arztgeld gebe.
Lutherbibel, Exodus 21,18
zu Buche schlagen
zu Felde ziehen
zum Fraße Er ließ den Scharfrichter rufen, befahl ihm, mich in eine Kiste einzusperren, in derselben hinaus zu schaffen, mir ferne von der Stadt das Haupt abzuschlagen, und mein Fleisch zerhackt den Vögeln zum Fraße hinzustreuen.
Mährchen der Tausend und eine Nacht für Kinder von Albert Ludwig Grimm, Vierter Theil, Stuttgart: A.F. Macklot, 1829, S. 19
zu Gemüte führen
zu Gesichte stehen
zu Grabe geleiten / tragen Als er hörte, dass fünfzig Grubenarbeiter einen zwölfjährigen Knaben zu Grabe geleiten wollten, obwohl dieser, soviel er wusste, nur ein umherstreifender Betteljunge gewesen war, fand er, dass dies der reine Wahnsinn sei.
Selma Lagerlöf, Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen
zu Grunde (zugrunde) gehen / legen / richten
zugute (zu Gute) halten
zu Hause (zuhause)
zu Holze fahren / ziehen Ein Jäger zog zu Holze / dort äst ein guter Hirsch. / Hallo, beglückter Jäger, / heut' hast du gute Pirsch ...
Deutsches Volkslied
zu Kreuze kriechen  »Zu Kreuze kriechen«, wiederholte mein sonst so milder Freund Louis immer wieder, »ich will nicht hetzen, aber ich möchte mir das nicht gefallen lassen.« 
Arthur Schnitzler, Jugend in Wien: Eine Autobiographie
zu Lande und zu Wasser
zu Leibe (zuleibe) rücken
zu Leide (zuleide) tun
zu Mute (zumute) sein
zu Nutze (zunutze) machen
zu Passe (zupasse) kommen
zu Pferde Ein plumper Mensch, ohne Leichtigkeit in seinen Bewegungen, kann zwar fest, in vieler Hinsicht gut, aber nie mit Anstand zu Pferde sitzen.
Von dem guten Anstand zu Pferde, in: Handbuch der niedern Reitkunst von Seyfert von Tennecker, Erster Band, Leipzig: Theodor Seeger, 1805, S. 253
zu Potte kommen  »Einmal muß doch gepfiffen werden, wenn man zu Potte kommen will.« 
Martin Schmidt-Gellersen (SPD), Rede im Deutschen Bundestag vom 13. März 1968 (S. 8224)
zu Rande (zurande) kommen
zu Rate gehen / sitzen / ziehen  »Ich will mit mir zu Rate gehen, mein Kind,« sagte er ernst, »ich will meine Gedanken sammeln, um zur Klarheit zu kommen.« 
Oskar Meding, Zwei Kaiserkronen
zu Stuhle kommen [...] so sind auch meine Constipationen viel peinlicher geworden und ich muß oft 14 Tage lang mich unmenschlich abmartern, ehe ich zu Stuhle kommen kann.
Heinrich Heine, Brief an Maximilian Heine 1850
zu Stande (zustande) bringen
zu Tage (zutage) treten Versammlungen, in denen sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen zu Tage treten, sind aufzulösen.
Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, § 9 Abs. 1
zu Tische sitzen Und es begab sich, da er zu Tische saß im Hause, siehe, da kamen viel Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit JEsu und seinen Jüngern.
Lutherbibel, Matthäus 9,10
zu Tode erschrecken / hetzen / kommen / schinden
zu Wege (zuwege) bringen
zu Werke gehen Und wie ich nun werde zu Werke gehen müssen, diese süße friedliche Eintracht der Seele mit ihrem Leibe zu stören?
Friedrich Schiller, Die Räuber, 2. Akt, 1. Szene
zum Wohle Das nun hierdurch ausgeführte Erziehungswerk wäre das bleibende, sich stets erneuernde und immer größere Vollkommenheit aus sich entwickelnde Eigenthum aller beitragenden deutschen Frauen und Jungfrauen zum Heile zunächst ihres deutschen, in Wahrheit aber zu dem ihres ganzen Geschlechts; zum Wohle ihrer Kinder, aller deutschen Kinder, ja über diese hinaus zum Wohle der Kindheit überhaupt; zum Frieden zunächst ihrer Familien wie des ganzen deutschen Familienlebens, ja alles Familienlebens an sich; dadurch zum Segen ihres Volkes, aller Völker, ja der Menschheit und so für die Gegenwart und alle Zukunft.
Friedrich Fröbel, „Kommt, lasst uns unsern Kindern leben!“ Entwurf eines Planes zur Begründung und Ausführung eines Kinder-Gartens, einer allgemeinen Anstalt zur Verbreitung allseitiger Beachtung des Lebens der Kinder, gefördert durch Pflege ihres Thätigkeitstriebes. Den Deutschen Frauen und Jungfrauen als ein Werk zu würdiger Mitfeier des vierhundertjährigen Jubelfestes der Erfindung der Buchdruckerkunst zur Prüfung und Mitwirkung vorgelegt, Ilmenau [1840], S. 11
zu Worte kommen Der Narr lässt mich nicht zu Worte kommen.
Ludwig Tieck, Der Blaubart
zum Zwecke Anstalt ist theils die Zubereitung zu einer Sache, wie wenn man sagt, Anstalt zu einer Reise oder einem Baue machen, theils das Ding selbst, was man veranstaltet hat, um zu einem gewissen Zwecke zu gelangen, wie wenn man von Unterrichts- oder Erziehungsanstalten spricht. Soche Anstalten waren auch die von den alten Philosophen errichteten Schulen. Denn sie hatten zum Zwecke, die Philosophie ihrer Stifter durch Fortpflanzung zu erhalten, also gleichsam traditional zu machen. Sie würden daher der Wissenschaft durch einseitige Beschränktheit geschadet haben, wenn nicht die Menge, die Eifersucht und der Kampf der Schulen diesem Nachtheile vorgebeugt hätte.
Allgemeines Handwörterbuch der philosophischen Wissenschaften […] von D. Wilhelm Traugott Krug, 2. Aufl., 1. Bd, Leipzig: Brockhaus, 1832, Art. Anstalt