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Sach- und Kunstverstand

Ein Mann mol eine hübsche Kuh
mit buntem Fell und spitzem Horn;
gab hintergründlich Wald dazu
und Blumenwiese weiter vorn.

Das Tier schie friedlich aus dem Bilde
und ko vergnügt des Grases Halm,
kurz: ein Motiv boviner Milde
auf sommerlicher Alpen-Alm.

Man frug den Schöpfer ob der Zwecke,
was denn sein Bild abbesichtäg.
Darauf wurt ant der wenig Kecke,
daß ihm an sanften Kühen läg.

Die Fachwelt drah sich fort mit Grausen,
schalt sinnentleerten Farbverschwand
belielch den kindlichen Banausen,
dem fähle jeder Kunstverstand.

Ein Freund des Mannes - kunsterfahren -
re-redigor das Bild der Kuh
erkonn den implizit und wahren
Wert und fog dann noch hinzu:

"Das Œuvre zeigt dem Kunstbeschauer
die innere Zerrissenheit
des Seiens an der Klagemauer
von Raumnatur und Ewigkeit.

Ganz tief greift hier die Kuh-Symbolik
metaphorös des Menschen Sein
auf und löst - so Karl-Heinz Ohlig,
der Philisoph, den Geist vom Bein."

Da mold sich bald das Feuilleton,
pries geniale Willens-Tiefe.
Der Preis, sagt man, ränn nun davon,
da diese Bild von Tiefe triefe.